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Der Markt hat lägst gedreht | Jetzt sind die Unternehmen auf der Bewerberseite | Die neue Praxis der Personalwerbung bei McDonald’s

Freitag, 20. Mai 2016

Von Axel Gloger

Bei den Azubi-Stellen spürt es das Unternehmen am stärksten: 1.000 Lehrstellen beitet McDonald’s pro Jahr an, die können schon lange nicht mehr alle besetzt werden.

Es herrscht Ebbe am Arbeitsmarkt, Bewerber sind oft Mangelware.

Der Arbeitsmarkt hat gedreht – der Bewerber ist nicht der Mitarbeiter, sondern das Unternehmen. “Wir als Arbeitgeber müssen uns dem Bewerber anbieten”, sagte Personalvorstand Gabriele Fanta, als sie gestern in Berlin die neue Arbeitgeber-Kampagne von McDonald’s vorstellte.

Interessanter Claim der Kampage: “Was geht? Arbeiten, wie du bist.”

Das Unternehmens steht an einem der Brennpunkte des Arbeitsmarktes. 7.000+ Neueinstellungen fallen pro Jahr an – das sind so viele, dass jeder neue Trend hier schon sichtbar ist lange bevor er bei anderen Unternehmen ankommt.

Deshalb ist das, was der Schnellgastronomie-Dienstleister tut, vorbildhaft für viele andere Unternehmen. Diese 3 Punkte sind wichtig:

1. Nichtkonventionell rekrutieren. “Wir wollen auch Bewerber integrieren, denen das fehlt, was in das traditionelle deutsche Karrieremuster führt”, erklärt die Personalvorständin.

Sprich: Arbeitgeber, schaut nicht nur auf Abschlüsse und Schulnoten – denn an diesem Filter scheitert mancher Bewerber, der sich später als Talent erwiesen hätte. Bei Flüchtlingen, Einwanderern, Bewerbern mit Patchwork-Schullaufbahnen, die ins Beschäftigungsleben strömen sollte mit anderem Maß gemessen werden:

Hier kommt es darauf an, was die Bewerber an Können, persönlichen Fähigkeiten und Willen einbringen – nicht auf die Durchschnittsnote des letzten Zeugnisses oder Häkchen auf der Karrierepunkte-Checkliste mit Auslandspraktika und Co.

2. Beste Prozesse anbieten.Eine Bewerbung auf der Karriereseite muss heute so einfach und selbsterklärend sein wie ein Einkauf bei Amazon. Ein paar Klicks – und fertig. “Die Karriereseite soll es den Bewerbern einfach machen”, beschreibt die oberste McDonald’s-Personalerin das Credo.

Alles, was kompliziert, umständlich und nur mit vielen Klicks und Uploads zu bedienen ist, schreckt Stelleninteressierte ab. Das dient weder dem suchenden Unternehmen, weil es durch komplizierte Web-Prozesse Bewerber verliert, noch den Bewerbern.

3. Deckungsgleichheit von Aussagen in der Arbeitgeberwerbung und der gelebten Unternehmenskultur herstellen. Vorne hui, hinten pfui, damit kommen Arbeitgeber in einer Welt nicht weiter, in der Bewerber das Sagen haben.

Jede Rekrutierungskampagne ist heute nur so gut wie die gelebte Unternehmenskultur dahinter.

Deshalb sollte Personalwerbung bei allem Wettbewerbsdruck auf dem Arbeitsmarkt nur die Dinge versprechen, die die Jobs im Alltag auch einlösen.

Deshalb: “Beispiele von echten Mitarbeitern in der Personalwerbung zeigen, keine Models mit gestylten Werbeaussagen”, beschreibt Personalerin Fanta das Vorgehen, das hier ratsam ist. Authentizität zählt.

Wichtig: Wer versucht, Bewerbern über die Personalwerbung ein X für ein U vorzumachen, bekommt die Quittung für dieses Übermarketing spätestens bei der nächsten Arbeigeber-Bewertung auf Portalen wie Kununu:

In Zeiten der digitalen Transparenz sollte man in der Mitarbeiterwerbung keine Welten aufbauen, die es im Unternehmen so nicht gibt. Die frustrierte Neueinstellung von heute ist die Kündigung von morgen.