Mit ‘Unternehmensberater’ getaggte Artikel

BDU: Trends Beratungsmarkt 2015-2016 | Wachstum ohne Ende | Was sich für Beratungskunden ändert

Mittwoch, 24. Februar 2016

von Axel Gloger

Heute wurde vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) die jährliche Trendstudie vom Beratungsmarkt vorgestellt. Die Consultingbranche befand sich auch im Jahr 2015 weiter im Aufwind, das Wachstum des Beratungsmarktes soll im Jahr 2016 weiter gehen.

In Zahlen:

Um  7,0 Prozent wuchs der Umsatz der Unternehmensberater im Jahr 2015 – auf 27 Mrd. Euro. Damit hat sich die Beratungsbranche nach Umsatz seit dem Jahr 2006 fast verdoppelt (alle Zahlen: BDU-Marktstudie “Facts & Figures”).

Auch für das Jahr 2016 wird sich das Thema “Der Consultingsmarkt wächst und wächst” fortsetzen. “Die Zuversicht bleibt erhalten”, sagt Hans-Werner Wurzel, Präsident des BDU.

Was gibt es Neues für die Kunden von Unternehmensberatern? Was bedeuten diese Entwicklungen für Käufer von Beratungsleistungen?

Dazu diese drei Punkte aus Kundensicht:

1. Schnellen Marktüberblick bekommen, Shortlists von geeigneten Beratern bekommen. Viele Dienstleistungen lassen sich heute bereits über Internet-Portale einkaufen. Diese stellen Preis- und Anbietertransparenz her. Auch für Unternehmensberater-Leistungen etablieren sich diese Portale.

Sie sind besonders dann geeignet, wenn sich ein Kunde, der mit dem Einsatz von Beratern relativ wenig vertraut ist, einen Überblick darüber verschaffen will. Wer bietet was? Wer kann was? Wer ist überhaupt zum Thema am Markt?, Fragen dieses Typs lassen sich über die Beraterportale relativ schnell klären.

2. Hochwertige Wissensarbeit einkaufen, ohne sich an deren Fixkosten zu binden. Typische Situation in vielen Unternehmen: Die Personaldecke ist dünn. Bei Zusatzaufgaben, Projekten, Wachstumsvorhaben müsste man eigentlich neue Mitarbeiter einstellen. Dagegen spricht die Last der Fixkosten (was tun mit den Mitarbeitern, wenn das Projekt zu Ende ist) und die zunehmende Komplexität in der Führung.

Als Alternative wird von vielen Unternehmen die Unternehmensberatung genutzt: Auftrag erteilen, Projektteam arbeiten lassen, sobald die Aufgabe erledigt ist: Ende der Veranstaltung. Keine weiteren Kosten.

Diese Praxis erinnert an Zeitarbeit für gewerbliche Berufe.

Über den Auftrag an Unternehmenberatungen ist ein ähnliches Format realisierbar – Expertise und Umsetzungskompetenz können kurzfristig zugeschltet werden, ganz gleich ob Einzelpersonen oder ganze Beraterteams an Bord kommen. Kosten entstehen nur, solange das Projekt andauert.

3. Den Berater mit ins Risiko nehmen. Häufig geht es in Beratungsprojekten um den Aufbau neuer Geschäfte, neuer Geschäftsmodelle oder um Wachstumsprojekte.

In der alten Welt trug hierfür das auftraggebende Unternehmen allein das Risiko. Der Berater wurde nach den üblichen Sätzen zum Festpreis oder nach Stundensätzen bezahlt und konnte sich aus dem Projekt ohne die Last eines Risikos verabschieden.

Das ist heute anders: Viele Beraterkunden rechnen ihren Consultant nach dem Pay-as-you-Grow-Modell ab. Die Praxis funktioniert so:

“Man fängt mit einem geringen Einstiegspreis an”, beschreibt BDU-Präsident Hans-Werner Wurzel den neuen Abrechnungsmodus, “und wenn es dann gut läuft, teilt man sich den Erfolg.” Auf diese Weise tragen Kunde und Berater das Risiko für den Ausgang des Projektes gemeinsam.

Megafusionen – auch in der Beraterbranche | Consultingfirmen auf dem Hochzeitsmarkt

Montag, 22. November 2010

von Axel Gloger

Der Wirtschaftsprüfer greift nach mehr: Deloitte hat es mit Roland Berger versucht. Aber am Ende ließen die Berger-Partner den Übernehmer abblitzen. Aber die nächste Fusion kommt gewiss. PWC will in die hochwertige Strategieberatung vordringen – und ist bereit für eine Übernahme einer Beratungsgesellschaft.

Zwar ist der Plan noch nicht umgesetzt, eine Übernahme noch Zukunftsmusik – aber der Markt ist in Bewegung. Ein Organismus wie PWC ist um ein Vielfaches größer als selbst die größten Strategieberater. Zudem besteht Wachstums-Hunger. Die Prüfer wollen ambitioniert weiter expandieren, auch in Felder, die zu ihrem Geschäft passen.

Deshalb werden sie früher oder später den Arm nach einem Strategieberater ausstrecken. Die Absicht ist bereits öffentlich, wie PWC-Chef Dennis Nally und Norbert Winkeljohann in einem letzte Woche veröffentlichten Zeitungsinterview hören ließen.

Das Thema Übernahmen in der Beratungswirtschaft köchelt schon länger. Wie zu hören ist, gehören Fusions- und Übernahmegespräche in einigen Beratungsgesellschaften zur täglichen Agenda der Chefs der Beratungshäuser.

Beispiel: In diesem Sommer sorgte eine Nachricht für Aufregung in der Branche: Zwei Großberater gehen zusammen, Booz & Co. und AT Kearney wollten gemeinsam das drittgrößte Beratungsunternehmen der Welt bilden.

Damit hätte die Consulting-Industrie das gehabt, was in anderen Branchen längst Alltag ist – eine Megafusion.

Zwar wurde die Firmenhochzeit wegen  nicht zusammen passender Konzepte für die gemeinsame Zukunft abgesagt. Doch die Strategie „A schluckt B“ steht in den Chefetagen der Beratungshäuser derzeit ganz oben auf der Agenda. Einen der Gründe nennt Thomas Lünendonk, Analyst der Branche: „Consulting ist eine reife Industrie, die jetzt das nachvollzieht, was in anderen Branchen schon Alltag ist.“

Die Realtitäten liegen auf der Hand: Die Branche wächst weltweit nur noch moderat. Das schafft Konsolidierungsdruck.  Seit das zweistellige Umsatzplus für die Beratungsunternehmen nicht mehr zur Routine gehört, müssen sie sich mit Themen befassen, die sie bislang nur aus dem Alltag ihrer Kunden kennen: Marktanteilskämpfe, heftige Konkurrenz um jeden Kunden, Preisverfall.

Dass das Thema Beraterfusionen heiß ist, zeigen die vielen Gerüchte, die heute weitergereicht und morgen dementiert werden. „Kein Kenner des Marktes wird überrascht sein, wenn die nächste Hochzeit gemeldet wird“, formuliert Analyst Lünendonk seine Erwartung.

Mittels einer Großfusion können die beteiligten Unternehmen etliche Synergien heben – teure Filialnetze ließen sich zusammen legen, Fixkosten von Research und Dokumentation mit einem größeren Umsatz amortisieren. Auch auf der Marktseite brächte eine Fusion Vorteile. „Neue Themen erschließen, neue Kunden gewinnen, neue Werkzeuge verfügbar machen“, erklärt Lünendonk die treibenden Kräfte.

Warum eine rein männliche Führungsetage die Potenziale Ihres Geschäfts nicht ausschöpft | Die Männerwelt von gestern ist immer noch sehr lebendig | Aufbruch in ein Zeitalter der female Leadership

Montag, 25. Oktober 2010

von Axel Gloger

“Männer machen ihr Ding ohnehin alleine. Frauen sind keine ernstzunehmenden Spieler im Geschäftsleben. Wir schaffen es auch ohne die Frauen. Warum sollen wir uns dem weiblichen Geschlecht zuwenden, wenn wir unsere Geschäfte seit 200 Jahren auch ohne Frauen vorangetrieben haben”, so lautet das alte Vorurteil

Wir könnten meinen, diese Annahmen seien langsam zum Aussterben verurteilt. Die Botschaft vom wertvollen Beitrag der Fragen sollte doch überall angekommen sein.

Das ist jedoch nicht der Fall. Noch immer leben viele Männer-Seilschaften vollkommen im geistigen Gestern, als hätte sich in den letzten 20 Jahren nichts verändert. Beispiel dafür ist ein neues Buch, was mir dieser Tage auf den Tisch kommt. Titel: “Die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Visionen für 2030.”

Kurz noch mal weg von dem Buch. Woran denken wir beim Schlagwort “Zukunft”? Nun, ganz gleich, um welches Zukunftsthema es sich handelt, aus Sicht von Unternehmen werden Frauen ihren gehörigen Anteil daran haben, denn

  • es gibt mehr Frauen als Männer in der Gesamtbevölkerung,
  • es machen mehr Frauen als Männer Abitur, und an den Hochschulen sind mehr Frauen als Männer eingeschrieben,
  • Frauen sind die wichtigste Kundengruppe der Zukunft
  • und, vor allem, Unternehmen mit einer divers (also weiblich und männlich) besetzten Führungsspitze sind nachweislich erfolgreicher als Unternehmen mit homogen-männlich besetzten Führungsspitzen. Das hat McKinsey in einer groß angelegten Studie, Titel: “Female Leadership”, nachgewiesen.

Schlagen wir mit diesem Wissen “Die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Visionen 2030″ auf. Was sehen wir im Inhaltsverzeichnis? Männer, Männer, Männer. Von 41 Autoren des Herausgeber-Bandes sind 39 männlich. Und, lieber Leser, liebe Leserin, dieses Buch ist nicht aus dem Antiquariat, Erscheinungsjahr 1970. Nein, es ist neu, 2010-er Ware!

Der Titel des Buches könnte also auch lauten: “Die Zukunft ist …. männlich.”

Die Herausgeber des Buches sind Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) und Europa-Chef des Beratungsunternehmens Capgemini, sowie Tom Sommerlatte, viele Jahre Europachef des Beratungsunternehmens Arthur D. Little und heute Geschäftsführer der Osiris MIC GmbH.

Sie haben in ihrem Buch eine Menge Geistkapital zusammengetragen. Das Werk ist ein Panoptikum der Qualitäten des Standortes Deutschland – und bietet Anlass zum Zukunfts-Optimismus, weil Deutschland für die industrielle Welt von morgen gut aufgestellt ist.

Aber ein schaler Beigeschmack bleibt: Ist die Welt der deutschen Industrie im Jahr 2030 wirklich so männlich, wie Schnieder und Sommerlatte sie uns vorführen? Nein. Wir hätten im Zeitalter der female Leadership erwarten dürfen, dass Sommerlatte und Schnieder all die profilierten, innovativen und prägenden Frauen nach vorne stellen, die es in unserem Land schon gibt.

Aber ihre Ausarbeitung erinnert mich an eine Analyse, die der Economist unlängst veröffentlichte. Das Thema war vielsagend “The German Miracle“, es wurde ausführlich über die Stärken unseres Standortes gesprochen. Gleichzeitig übte der Economist aber auch an einem Punkt Kritik: Es gebe in Deutschland eine, so wörtlich, skandalöse Unternutzung (“underuse”) von Frauen in der Wirtschaft. Und wie es scheint, wollen die beiden Berater, die dieses Buch verantworten, daran auch nichts ändern.

Die Schlussfolgerung darf nur lauten: Thema verfehlt.

Dieser Vorgang erinnert an das World Business Forum vor ein paar Jahren. Ein großer Anlass in Frankfurt, Alte Oper. Dort kamen an die 2.500 Manager, Unternehmer und Top-Führungskräfte zusammen. Referenten die A-Garde der internationalen Strategiedenker. Jack Welch, Michael Porter, Tom Peters und andere traten auf – alles Männer. Tom Peters machte eine wichtige Bemerkung: “Wenn hier künftig keine Frauen als Referenten auftreten, werde ich an solchen Anlässen nicht mehr teilnehmen”, sagte er sinngemäß an den Veranstalter gerichtet. Schon damals war klar, dass die rein männlich besetzten Veranstaltungen nicht mehr die Wirtschaft der Zukunft abbilden.

Was ist aus Trendletter-Sicht zu tun, was sollten Unternehmer  auf ihre Agenda setzen?

Die Antwort gibt ein Blick in die McKinsey-Studie: Frauen sollte eine ersthafte Chance auf jeder Shortlist eingeräumt werden. Die Ausrede, es hätten sich keine Frauen beworben oder es wurden keine gefunden, zählt nicht. Überdies sollte das Thema female Leadership intern von einem fest verankterten Verantwortlichen betreut werden – am besten von einem senioren Mann!

Goldene Finanzierungsregeln für Inhaber-Unternehmer

Dienstag, 16. Juni 2009

von Axel Gloger

Rendite, Rendite, Rendite, diese Regel gilt so nicht für die Finanzierung von Familienunternehmen und Inhaber-Unternehmen. Hier gibt es noch andere Ziele. Der Unternehmer will seinen Betrieb an die nächste Generation vererben. Dynastisches Interesse ist stark! Das Unternehmen soll unabhängig bleiben. Niemand soll der Unternehmesspitze reinreden können. Das Unternehmen soll krisenfest sein, auch wenn die Geschäfte mal nicht mehr ganz so gut laufen, überleben können. All das beachtet die Finanzierung, wenn sie gut gemacht ist.

Einige Regeln zur Finanzierung, die sich bewährt haben:

Fristen-Kongruenz. Finanziere den Kauf der neuen Maschine nie aus dem Kontokorrent. Der Banker kann jeden Tag kommen und den Kontokorrent kündigen. Die Maschine steht dann aber immer noch da und kostet. Deshalb: nur Kurzfristiges wird kurzfristig finanziert. Langfrsitiges aber bitte langfristig. Ihr Wirtschaftsprüfer kann die korrekte Zusammensetzung der Bilanz überprüfen und Sie auf Unstimmigkeiten hinweisen.

Wenn du die Bilanz verkürzen kannst, kürze sie. Denn: Alles, was auf der linken Seite der Bilanz steht, muss rechts finanziert werden. Das kostet. In kapitalschwachen Branchen ist das ein Thema. Finanzierungsquellen müssen aufgetan, Finanzierung bezahlt werden. Das geht auch einfacher. Forderungen etwa kann man an ein Factoring-Unternehmen verkaufen. Das sieht zwar auf den ersten Blick teuer aus. Aber dafür kommt das Bargeld sofort, die Forderung muss nicht in die Bilanz aufgenommen und – richtig! – damit auch nicht finanziert werden. Das macht unabhängig.

Wenn du ohne die Bank auskommen kannst, bleibe dabei. Die Bank ist nur so lange Freund des Unternehmers, wie er Geld hat – oder sehr hohe Schulden. Für einen Inhaber-Unternehmer aber ist Stabilität ein ganz wichtiger Baustein des Erfolges. Niemand soll reinreden können, schon gar nicht überraschend. Überdies wollen die meisten Inhaber-Unternehmer ihren Job länger machen als der typische Vorstand, der nach einer kleinen einstelligen Zahl von Jahren schon nicht mehr im Amt ist. Die typischen Amtsdauern von Geschäftsführern in Inhaber- und Familienunternehmen währen Jahrzehnte. Darauf muss auch die Finanzierung Rücksicht nehmen. Setze deshalb auf Sicherheit und reichlich Eigenkapital, und zwar selbst dann, wenn der Berater oder die Bank zu dir kommt und sagt: “Du hast zu viel Eigenkapital in der Bilanz.” Überlebensregel: Wenn die Bank oder der Berater von “Leverage Effekt nutzen” sprechen, täusche einen Hörsturz vor. Hände weg von diesen Instrumenten!