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Wie Sie mit einer hohen Eigenkapitalquote Ihre Freiheit sichern | Wann die rechte Seite Ihrer Bilanz ausreichend unterfüttert ist – und wann es zu viel ist

Mittwoch, 07. April 2010

von Axel Gloger

Je höher die Eigenkapitalquote, desto sicherer das Unternehmen – so lautet eine gängige Einsicht. Unternehmer, die auf der rechten Seite ihrer Bilanz genügend Eigenmittel ausweisen, machen ihrer Bank Freude und haben ein Polster für schlechte Zeiten.

Aber auch in der Bilanz gibt es einen Sättigungseffekt. „Ein Eigenkapitalpolster ist gut. Aber zu viel Eigenkapital kann ungesund sein“, so lautet die Botschaft einer Studie, die Intes durchgeführt hat, eine auf Familienunternehmen spezialisierte Beratungsgesellschaft.

Die Bad Godesberger Consultants liefern einen Befund, der überrascht: „Jeder zehnte Betrieb hat eine Eigenkapitalquote von 70 Prozent und mehr“, beschreibt Matthias Redlefsen, Mitautor der Studie und heute Geschäftsführer der Ernst Benary Samenzucht GmbH, Hannoversch Münden, wie mancher Unternehmer Sicherheiten auftürmt, die an die Goldbestände in Fort Knox erinnern.

Solche Inhaber sind oft getrieben von der Angst vor unsicheren Zeiten.

Denn die Risiken knapper Eigenmittel stehen vielen Unternehmern vor Augen: „Manchmal sind von 1000 Euro Bilanzsumme nur 100 Euro und weniger Eigenkapital“, sagt Klaus Broich, Wirtschaftsprüfer bei Cura Broich Boll Uhler, Bonn.

Als Folge solcher Kapitalanämie entstehen Schwächeanfälle – etwa dann, wenn Rechnungen zu spät gezahlt werden oder große Kunden wegbrechen. „Eigenkapitalmangel ist ein Dauerthema speziell in der deutschen Wirtschaft“, bestätigt Ulrich Hommel, Professor für Unternehmensfinanzierung und Kapitalmärkte an der European Business School (EBS) im Rheingau.

Also müsste das Gegenteil davon, viel Eigenkapital, doch eigentlich gut sein. Doch es gibt Grenzen, wie Redlefsen weiß: „Vorsicht bei einer ungesunden Bilanzstruktur.“ Denn nach der gängigen Meinung reichen 35 bis 50 Prozent Eigenkapital aus, um als solventes und zukunftsfähiges Unternehmen dazustehen – manche Branchen kommen sogar mit deutlich weniger aus. „Wer in unserer Branche 20 Prozent Eigenkapital hat, ist schon sehr gut dran“, sagt Nils Bogdol, Inhaber des Gebäudereinigers Nils Bogdol GmbH, Holdorf, und beim Verband Die Familienunternehmer (ASU) Experte für Finanzierung.

Schon Quoten von über 50 Prozent erzeugen mitunter Stirnrunzeln; Rating-Agenturen und Banken dürften hier nachfassen. „Warum investiert der Unternehmer nicht mehr in Markt und Wachstum?“ lautet eine Frage, die Wirtschaftsprüfer Broich stellt, wenn er eine scheinbar so satt ausgestattete Bilanz sieht. „Chancen vom Markt werden nicht wahrgenommen“, ergänzt Professor Hommel die Deutung der mit Eigenkapital gesättigten Bilanz.

Die Alternative liegt auf der Hand: Ein Unternehmer könne, ohne sein Geschäft zu gefährden, die Eigenmittel herunterfahren und das frei gewordene Geld in die Expansion stecken, so der Wissenschaftler von der EBS. In Zeiten zunehmenden Wettbewerbs auf vielen Märkten ist das ein sinnvolles Vorgehen.

Außenstehende, die ein Geschäft bewerten, sehen die überhohe Eigenkapitalquote deshalb eher als negatives Indiz. „Sie ist häufig Zeichen strategischen Stillstands“, sagt Broich. Besonders im Verein mit anderen Merkmalen führt das bei der Bewertung, etwa wenn es um Rating oder Verkauf geht, zu Punktabzug. Betriebe mit einem Inhaber jenseits der 60, der nichts mehr entscheiden mag und sich nicht auf Innovationen einlassen will, seien typische Kandidaten für eine derart ungesunde Bilanz. Unternehmer mit zu viel Eigenkapital ähneln reichen Hausbesitzern, die ihre Immobilie vergammeln lassen, weil sie zu geizig für eine Renovierung sind.

Überdies orten die Godesberger Berater noch einen anderen Risikofaktor:

Eine Bilanz mit 70 Prozent Eigenkapitalanteil und mehr deutet darauf hin, dass der Inhaber alles Geld im Betrieb stecken hat. Auch das ist ungesund. „Denn will der Unternehmer ausscheiden, ist er auch weiter auf ein Einkommen aus der Firma angewiesen“, sagt der Studienautor.

Für das Geschäft ist das eine Last, weil ständig betriebsfremder Aufwand anfällt. Intes rät darum jedem Unternehmer, frühzeitig vom Betrieb unabhängiges Vermögen aufzubauen. Das sei nicht nur für die Finanzierung des späteren Ruhestands wichtig – sondern auch für den Fall, dass der Unternehmer etwa durch einen überraschenden Unfall nicht mehr weiter arbeiten kann. Für beide Fälle sollte so vorgesorgt sein, dass das Geschäft damit nicht belastet wird.

Freilich bedeutet eine hohe Eigenkapitalquote auch unternehmerische Freiheit. Nicht auf das Wohlwollen der Bank angewiesen zu sein, ist in der Post-Krisen-Ökonomie ein dickes Plus. Denn der Unternehmer kann

  • Wachstum aus eigener Kraft finanzieren
  • Durststrecken sicher durchstehen
  • Innovationen finanzieren
  • und seine Unabhängigkeit sichern.

Deshalb ist die hohe Eigenkapitalquote in Zukunft ein willkommenes Sicherheitspolster. Mein Rat wäre: Widerstehen Sie den Verlockungen der Sirenen. Lassen Sie sich nicht auf jedes Angebot der Bank ein (Thema: “Finanzierung leveragen”), mit dem die Finanzleute bei Ihnen hineinmarschieren.

Die Evidenz liegt auf Ihrer Seite: Ohne die dicke EK-Quote hätte manches Unternehmen die Krise nicht so gut überstanden.

Falls Sie sich als Unternehmer dafür interessieren, wie Sie die Finanzierungskosten reduzieren können, wie Sie Risiken aus den Bankkrediten verringern und wie Sie neue, bankunabhängige Quellen für frisches Kapital erschließen: In der gedruckten Ausgabe des Trendletter haben wir das Thema immer wieder aufgegriffen. Als Abonnent des Trendletter erhalten Sie vollständigen Zugang zu unserem Online-Archiv hier, als Noch-nicht-Abonnent können Sie den Trendletter einschließlich aller mit dem Abonnement verbundenen Privilegien hier (Klick!) bestellen.

Goldene Finanzierungsregeln für Inhaber-Unternehmer

Dienstag, 16. Juni 2009

von Axel Gloger

Rendite, Rendite, Rendite, diese Regel gilt so nicht für die Finanzierung von Familienunternehmen und Inhaber-Unternehmen. Hier gibt es noch andere Ziele. Der Unternehmer will seinen Betrieb an die nächste Generation vererben. Dynastisches Interesse ist stark! Das Unternehmen soll unabhängig bleiben. Niemand soll der Unternehmesspitze reinreden können. Das Unternehmen soll krisenfest sein, auch wenn die Geschäfte mal nicht mehr ganz so gut laufen, überleben können. All das beachtet die Finanzierung, wenn sie gut gemacht ist.

Einige Regeln zur Finanzierung, die sich bewährt haben:

Fristen-Kongruenz. Finanziere den Kauf der neuen Maschine nie aus dem Kontokorrent. Der Banker kann jeden Tag kommen und den Kontokorrent kündigen. Die Maschine steht dann aber immer noch da und kostet. Deshalb: nur Kurzfristiges wird kurzfristig finanziert. Langfrsitiges aber bitte langfristig. Ihr Wirtschaftsprüfer kann die korrekte Zusammensetzung der Bilanz überprüfen und Sie auf Unstimmigkeiten hinweisen.

Wenn du die Bilanz verkürzen kannst, kürze sie. Denn: Alles, was auf der linken Seite der Bilanz steht, muss rechts finanziert werden. Das kostet. In kapitalschwachen Branchen ist das ein Thema. Finanzierungsquellen müssen aufgetan, Finanzierung bezahlt werden. Das geht auch einfacher. Forderungen etwa kann man an ein Factoring-Unternehmen verkaufen. Das sieht zwar auf den ersten Blick teuer aus. Aber dafür kommt das Bargeld sofort, die Forderung muss nicht in die Bilanz aufgenommen und – richtig! – damit auch nicht finanziert werden. Das macht unabhängig.

Wenn du ohne die Bank auskommen kannst, bleibe dabei. Die Bank ist nur so lange Freund des Unternehmers, wie er Geld hat – oder sehr hohe Schulden. Für einen Inhaber-Unternehmer aber ist Stabilität ein ganz wichtiger Baustein des Erfolges. Niemand soll reinreden können, schon gar nicht überraschend. Überdies wollen die meisten Inhaber-Unternehmer ihren Job länger machen als der typische Vorstand, der nach einer kleinen einstelligen Zahl von Jahren schon nicht mehr im Amt ist. Die typischen Amtsdauern von Geschäftsführern in Inhaber- und Familienunternehmen währen Jahrzehnte. Darauf muss auch die Finanzierung Rücksicht nehmen. Setze deshalb auf Sicherheit und reichlich Eigenkapital, und zwar selbst dann, wenn der Berater oder die Bank zu dir kommt und sagt: “Du hast zu viel Eigenkapital in der Bilanz.” Überlebensregel: Wenn die Bank oder der Berater von “Leverage Effekt nutzen” sprechen, täusche einen Hörsturz vor. Hände weg von diesen Instrumenten!

Finanzierung – für Nicht-Konzerne gelten andere Regeln

Freitag, 12. Juni 2009

von Axel Gloger

Vorsicht, Unternehmer, Rammen Sie sich nicht selbst den Dolch in die Brust – durch unvorsichtige Finanzierung etwa. Mancher Extere wird auf Ihre stillen Reserven schielen. Kommt ein Unternehmensberater, sagt: “Sie haben stille Reserven in der Bilanz. Die können wir heben und zu Geld machen.” Das ist ein gut gemeinter Ratschlag. Carl von der Goltz ist einer der Promotoren. Sein Geschäft ist das sogenannte Sale-and-Lease-back, seine Firma Maturus Finance betreibt dieses Thema als Kernkompetenz. “Neue Chancen für mittelständische Unternehmen”, ruft seine Homepage dem interessierten Leser zu.

Aber seit Berthold Brecht wissen wir: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Prüfen Sie genau, wenn ein Vorschlag dieses Typs auf Sie zu marschiert. Was passieren kann, zeigt der Fall Arcandor. Obermann Thomas Middelhoff hatte die Immobilien im März 2009 an einen Investor verkauft. Karstadt war fortan Mieter in den ehemals firmeneigenen Kaufhäusern. Der Verkauf brachte, nach Abzug der Schulden, die auf den Warenhäusern lasteten, 800 Mio. Euro in die Firmenkasse. Das ist schon etwas, besonders in cash-klammen Zeiten.

Aber: die Mieten! Fortan muss Karstadt nicht unerhebliche Mieten bezahlen. Bargeld, das aus dem Konzern abfließt in Richung Vermieter. In Boom-Zeiten ist das kein Problem. Wenn der Umsatz wächst, wird das Gewicht der Miete immer geringer. Aber derzeit passiert das Gegenteil. “Rezession schwächt Konsum”, so lautet das Mantra im Handel. Nach und nach wurde die relative Last der Mieten immer drückender.

Wir sehen: Thomas Middelhoff hat dem alten Dampfer Karstadt mit dem Verkauf der Kaufhäuser einen Bärendienst erwiesen. Der Effekt der zusätzlichen 800 Mio. in der Kasse ist längst verpufft, geblieben sind: richtig, die Mieten, die Monat für Monat gezahlt werden müssen.

Für Inhaber- und Familienunternehmen sollte deshalb gelten: Finger weg von solchen Deals. Für Sie zählt die Wahrung der unternehmerischen Unabhängigkeit mehr als ein Plus in der Kasse. Wenn die Immobilien in Ihrer Hand bleiben, kann Ihnen keiner reinreden, Sie sind von keinem Vermieter abhängig, sie müssen nicht fürchten, dass einmal vereinbarte Mieten kalt erhöht werden. Lassen Sie sich nicht vorschnell auf das Glatteis des Verkaufen-Zurückmieten-Modells führen. Das bringt oft der Gegenseite (Vermieter) mehr, als Sie je wieder einspielen können. Sollen Ihre Kinder auch noch für die Fehlentscheidungen zahlen müssen?

Eine stille Reserve kann zwar aus der Sicht der immer an die Großkonzerne denkenden BWL suboptimal sein. Aber für ein Inhaber- und Familienunternehmen ist sie dennoch der richtige Weg. Sie garantiert, dass Sie Ihren Weg gehen können.

Anders mag das nur sein, wenn Sie Assets verkaufen und zurückmieten, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Hier kann es sinnvoll sein, zusätzliche Geldmittel aus der Bilanz zur freien Verfügung zu heben. Diese sollten dann bitte aber auch am richtigen Ort investiert werden – nämlich in den weiteren Ausbau Ihres Wettbewerbsvorteils. Ansonsten gilt: Wenn Ihnen Banken oder Berater schöne Augen machen – prüfen Sie den Vorschlag genau. Hüten Sie sich vor zusätzlichen finanziellen Lasten, die Ihren laufenden freien Cashflow angreifen. In der Rezession ist das eine wichtige Überlebensregel!