Mit ‘Demographie’ getaggte Artikel

Vorsicht, Demografie-Falle | Der Baby-Boom in Deutschland ist nicht echt | Warum auch Prenzlauer Berg und Dresden Neustadt rapide altern werden, wenn alle Kinder geboren sind

Montag, 18. April 2011

von Axel Gloger

Sie sollten alles mit der Überschrift “Baby-Boom in Deutschland” sehr skeptisch sehen.

Beispiele:

Der Baby-Boom am Prenzlauer Berg in Berlin ist ein rein statistisch-demografischer Sondereffekt. In dieses Viertel sind vor 10-15 Jahren sehr viele Menschen im Alter Mitte/Ende 20 gezogen. Die haben anschließend eine Familie gegründet und Kinder in die Welt gesetzt. Beispiel: Sandra Maischberger. Deshalb sieht man derzeit so viele Kinder in diesem Viertel – und deshalb wurde der Baby-Boom tatsöchlich gemessen.

Aber das ist aber eine einmalige Sache. Die Maischbergers werden dort wohnen bleiben, aber keine weiteren Kinder mehr bekommen. Das Viertel wird in Zukunft einem kollektiven Alterungsprozess unterworfen sein und ebensowenig Geburten ausweisen wie der Rest Deutschlands.

Überdies Dresden-Neustadt. Siehe großer Artikel in der FAS vom 20. März. Auch dort wird ein Baby-Boom diagnostiziert. Angeblich ist Dresden-Neustadt der Ort mit der höchsten Geburtenrate im Europa. Das mag für den Augenblick sogar richtig sein, ist aber nicht stabil, weil der Baby-Boom abklingt, sobald die Bewohner ihre 1-2 Kinder bekommen haben.

Das einzige Beispiel, wo es wirklich einen nachhaltigen Baby-Boom gibt, ist der Landkreis Cloppenburg. Ich berichtete vor einiger Zeit im Trendletter darüber. Dort gibt es um die 2 Kinder pro Mutter, damit ist die Geburtenrate signifikant höher als die in D üblichen 1,3 Kinder. In Cloppenburg ist es nachhaltig wegen der Rahmenbedingungen (katholisch dominiert, kleinteilige Strukturen, niedrige Arbeitslosenrate, preisgünstige Häuser, gute Schulen und KiGas, gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, ländliche Prägung, hohe subjektive Sicherheit).

Wenn Sie als Unternehmer über die Demografie-Trends auf dem Laufenden bleiben wollen, wenn Sie die zutreffenden Deutungen auch dann rechtzeitig erfahren wollen, wenn sie der herrschenden Meinung widersprechen: Lesen Sie die gedruckte Ausgabe des Trendletter. Probebezug des Trendletter gib es hier (Klick!)

Deutsche Unternehmen als Demographie-Pioniere | Neue Quelle von Wettbewerbsvorsprung | 4. Villa Mumm-Konferenz

Montag, 11. Oktober 2010

von Axel Gloger

Deutschland ist wieder einmal Vorreiter. Unsere Unternehmen sammeln jetzt Erfahrung mit einem Thema, das schon morgen die ganze Welt betreffen wird. Nein, wir meinen in diesem Falle nicht die grüne Wirtschaft, sondern die alternde Gesellschaft. Wir sind Vorreiter zu einem scheinbar tristen, undynamischen Thema: Die Menschen werden immer älter, sie bekommen immer weniger Kinder, der Wohlstand nimmt gleichzeitig stark zu. Das haben wir in den letzten 50 Jahren durchgemacht, alle, wirklich alle anderen Länder der Welt werden uns folgen.

Es ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern allenfalls noch eine Frage des Wann.

Auf diesen Zusammenhang machte uns die 4. Villa Mumm-Konferenz aufmerksam, die die Fondsgesellschaft Fidelity Investments dieser Tage in Kronberg veranstaltete.

Danach darf sich Deutschland durchaus als Pionier begreifen. Wir haben, neben Japan, die größten und längsten Erfahrungen mit der alternden und schrumpfenden Gesellschaft. Unsere Unternehmen haben schon gezeigt, wie die Transformation mit alternden Belegschaften und Gesundheistmanagement nachfragenden Mitarbeitern zu bewältigen ist, und was zu tun ist, wenn Produkte für Märkte zu entwickeln sind, auf denen die Zielgruppen massiv altern.

All das sollten wir aus diesem Grund nicht als Last, sondern als intellektuelles Kapital ansehen. Wir sind gut ausgestattet für eine Welt, in der das, was wir schon hinter uns haben, auch auf viele andere Länder zukommen wird.

Der Statistiker und Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg wies das in seiner Analyse, die er auf der Villa Mumm Konferenz vortrug, eindrucksvoll nach. Demnach gibt es für alle Kontinente nur eine Entwicklungsrichtung: zunehmende Lebenserwartung, weniger Geburten, wachsender Wohlstand. Ein Indiz von vielen: Die Kinderzahl pro Frau hat sich weltweit seit 1960 von seinerzeit 5 auf heute 2,5 halbiert. Dieser Trend wird sich fortsetzen.

Was bedeutet das für Unternehmen aus Trendletter-Sicht? Wir werden all das, was wir in den letzten beiden Dekaden im Umgang mit einer rapide alternden Gesellschaft gelernt haben, als Exportschlager nutzen können. Alternde Märkte, alternde Mitarbeiter und schrumpfende Jugendmärkte, all das kennen unsere Unternehmen schon, während es viele Unternehmen im Ausland erst schmerzvoll lernen müssen.

Die Aufgabe lautet deshalb: Wie können wir aus unserem Wissen, das wir exklusiv haben, einen Wettbewerbsvorsprung entwickeln? An der Antwort auf diese Frage werden sich erfolgreiche Unternehmen von morgen messen lassen müssen – auch aus der Sicht von Investoren übrigens.

Sofortmaßnahmen gegen die weitere Alterung der Bevölkerung | Weg aus der Demographie-Falle | Beitrag der Unternehmer | 4. Villa Mumm-Konferenz

Montag, 04. Oktober 2010

von Axel Gloger

Was können Unternehmer und Politik tun, um den weiteren Absturz der demographischen Entwicklung abzumildern und den Beginn einer Umkehr einzuleiten?

Klar ist: Die ungeborenen Kinder und Eltern der Vergangenheit werden uns auch weiter fehlen. An diesen Fakten ist nichts mehr zu ändern. Aber wir können mit einigen Sofortmaßnahmen heute beginnen und so dafür sorgen, dass einige negative Einflüsse, die zu einer verschlechterten demographischen Lage geführt haben, in Zukunft nicht mehr weiter andauern werden.

Einige aus Trendletter-Sicht sinnvolle und auch für Unternehmer bedeutsame Antworten gab die 4. Villa Mumm-Konferenz, die die Fondsgesellschaft Fidelity Investments in Kronberg dieser Tage durchführte.

Die Maßnahmen gegen den Bevölkerungsschwund:

1. Eltern bevorzugen bei Neueinstellungen. Fakten: Jeder 4. Arbeitsplatz wird jedes Jahr in Deutschland neu besetzt. Diese natürliche Fluktuation bietet einen Ansatzpunkt für eine schnell wirksame, einfache Maßnahme: Mitarbeiter mit Kindern werden bei Neueinstellungen bevorzugt. Damit würde der Kinderlosigkeit als kulturellem Standard in vielen Unternehmen entgegengewirkt. Sobald es zur Normalität im Arbeitsleben gehört, dass Mitarbeiter, die Eltern sind, die Kultur prägen, werden auch familienfeindliche Praktiken aus dem Arbeitsleben verdrängt.

2. Bevölkerungspolitik ist Staatsziel. Das wäre eine komplette Aufwertung dieses Ziels. Denn derzeit ist es ein Ziel allenfalls des einflusslosen Familienministeriums, bei Zielkonkurrenz wird das Ziel Bevölkerungspolitik meist zugunsten anderer Ziele aufgegeben. Das sollte in der Form künftig nicht mehr möglich sein – warum gibt es nur einen milliardenschweren Bankenrettungsfonds, aber keinen Bevölkerungsrettungsfonds, der mit reichlich Intelligenz, Realisierungskraft und Geldkapital ausgestattet werden sollte?

3. Höhere Löhne für Familienväter/Familienmütter.

4. Familiensplitting statt Ehegattensplitting. Diese Praxis des Steuerrechts gibt es zum Beispiel in Frankreich. Sie würde dazu führen, dass Familien mit Kindern steuerlich deutlich besser gestellt werden. Wir würden so erreichen, dass es eine Automatik gibt, die verhindert, dass mehr als zwei Kinder zu einem Armutsrisiko in Familien mit mittlerem und geringem Einkommen werden. Überdies würde das Familiensplitting dazu führen, dass die Opportunitätsskosten einer größeren Familie (Verzicht auf Einkommen wegen Kinderbetreuung durch ein Elternteil) deutlich sinken würden. Das ist zwar nur ein ökonomisches Kalkül – aber auch dieses fließt in die Überlegungen und Planungen junger Paare ein, wenn auch meist unausgesprochen.

Trendletter-Hinweis: Diese Agenda wurde durch den Bevölkerungswissenschaftler und Statistiker Herwig Birg (Emeritus Universität Bielefeld) auf der Villa Mumm-Konferenz vorgestellt und mit Überlegungen des Trendletter ergänzt.

Immobilienmarkt und -Anlagen: Rosinenpicken ist die richtige Strategie | Die wichtigsten Trends

Donnerstag, 15. April 2010

von Axel Gloger

Welche Entwicklungen den Immobilienmarkt von morgen prägen:

  • Erstens die Reaktionen auf die Finanzkrise
  • Zweitens der Umgang mit dem demographischen Wandel
  • Drittens eine fundamentale Reorientierung auf die Stadtzentren

Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass in den hoch bewerteten Immobilienmärkten in Spanien, England und den USA die Blase geplatzt ist. Investoren müssen mit ganz anderen Renditehintergründen kalkulieren, einen längeren Atem haben und damit rechnen, ihr Portfolio 10-20 Jahre zu halten.

Außerdem führt die Finanzkrise zu veränderten Möglichkeiten der Refinanzierung. Fremdkapital ist schwerer zu akquirieren, Beleihungsgrenzen sind enger, die Möglichkeiten, Immobilienpakete zu schnüren, eingeschränkt. Das alles führt zu einer deutlich abgekühlteren Einstellung gegenüber Immobilieninvestments. Vor der Finanzkrise fragte man: Wann zieht Deutschland endlich auf das erhöhte Preisniveau nach? Diese Frage hat sich erübrigt. Immobilienpreise werden keinen großen Sprünge nach oben machen.

Wie sich der demographische Wandel auf den Immobilienmarkt auswirkt:

Der Rückgang der Bevölkerung wird zu einem Rückgang der Nachfrage nach Büro- und Wohnimmobilien führen. Investoren werden sehr genau hinschauen, wo die Nachfrage auch in Zukunft gesichert ist. Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung besagt, dass in den gesamten neuen Bundesländern mit Ausnahme der Zentren Leipzig, Dresden und Berlin die Einwohnerzahlen deutlich schrumpfen werden. Auch in den alten Bundesländern gibt es Regionen wie das Ruhrgebiet, Nordhessen, das östliche Niedersachsen und das Saarland, wo die Bevölkerung deutlich abnimmt, es zu Leerständen und sinkender Vermarktbarkeit kommt.

Dagegen liegt in den Städten und den dynamischen Kernregionen noch Potenzial. Regionen wie München Umland, Hamburg Umland, Berlin Speckgürtel, die Rheinschiene zwischen Düsseldorf und Mannheim sowie Baden-Württemberg sind nach wie vor Wachstumsregionen.

Die Revitalisierung der Stadtzentren

Nach Jahrzehnten, in denen die Immobiliennachfrage in die Fläche ging, sowohl was Gewerbe als auch was Wohnen betrifft, können wir jetzt wieder ein verstärktes Interesse an den Städten feststellen. Beim Gewerbe deshalb, weil wir uns von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft entwickeln. Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten, haben keinen so hohen Flächenverbrauch wie die industrielle Verarbeitung.

Zudem sehen wir:  Wissensarbeiter arbeiten gern dort, wo andere Kreative arbeiten und das ist nicht auf dem Gewerbegebiet, wo man sich bei einer Frittenbude trifft. Das gleiche gilt für Wohnimmobilien. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, ziehen viele ältere Menschen wieder in die Stadt zurück. Junge Familien bleiben in der Stadt, weil sie dort höhere Lebensqualität erwarten. Der Wettlauf um die jungen Familien in der Stadt hat bereits begonnen. Städte, die es sich leisten können, investieren in Kindergärten, in Spielplätze und in bezahlbaren Wohnraum für Familien.

Fazit: Die Hoffnung auf einen allgemeinen Boom hat derzeit keine Nahrung. Dass der Boom in absehbarer Zeit kommt, ist eher unwahrscheinlich. Die von den Akteuren der Immobilienbranche herbeigeredeten Erwartungen auf Preissteigerungen sind nichts weiter als eine Hoffnung, der jede Basis fehlt. Jeder Immobilien-Investor, ganz gleich, ob privat oder gewerblich, wird sich die wenigen Rosinen im Markt mühevoll herauspicken müssen. Immobilien, die auch in Zukunft AAA-Status haben (Sicherheit, Lage, Infrastruktur, Wertzuwächse), werden rar bleiben.

Anmerkung: Dieser Text ist der Auszug aus einem Interview, das der Autor mit dem Blog der ImmoCom anlässlich einer zentralen Veranstaltung dieses Verbandes führte. Christine Plaß verfasste den Text dieses Interviews. Credit: Klick hier!

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