Tappen Sie nicht in die Personalfalle | Prof. Knoblauch nennt die Auswege aus einer verbreiteten Fehleinschätzung

von Axel Gloger

Jörg Knoblauch führte über viele Jahre das familieneigene Unternehmen Drilbox. Weltmarktführer für Bohrerkassetten. Heute ist der Geschäftsführer von Tempus, einem Beratungsunternehmen, das sich speziell an den Mittelstand wendet.

Interessant aus seiner Arbeit: das Buch “Die Personalfalle.” These des Autors: Schwaches Personalmanagement ruiniert Unternehmen.

Grundgedanke: Viele HR-Ressorts, besonders im Mittelstand, betreiben Larifari-Rekrutierung. Sie stellen ein, was kommt. “Mehr als den Durchschnitt bekommen wir ohnehin nicht”, so lautet das Mantra der Rekrutierung. Und schon tappt HR in die Personalfalle.

Worin besteht diese? Jede geduldete Einstellung eines Mitarbeiters unter der im Prinzip möglichen Maximal-Qualifikation ist verschenkte Unternehmensleistung. Rendite, Umsatz, Kundennutzen und Ideenpotenzial fallen in jenen Unternehmen mies aus, die sich mit B- und C-Mitarbeitern zufrieden geben.

So knallen die weichen Faktoren voll auf die harten durch. Ein Übergewicht der B- und C-Mitarbeiter schwächt das Unternehmen als Ganzes, spürbar an allen Ecken und Enden.

Knoblauchs Empfehlung deshalb zum Ausweg aus der Personalfalle: Eine rigorose Zero-Tolerance-Politik gegenüber der Rekrutierung von nur mittelmäßigen Mitarbeitern. Der größte Feind erfolgreicher Rekrutierung, erkennbar an drei Schlüsselmerkmalen, muss unbedingt ausgerottet werden:

  • Die Einstellung “Wird schon!”. Das ist das Prinzip Hoffnung, dass sich ein B-Mitarbeiter doch noch zum A-Mann mausern wird. Erfahrung von Knoblauch: klappt fast nie, vergessen Sie es also.
  • Die Auffassung “Wir haben ja noch die Probezeit, um zu sehen, ob er/sie wirklich etwas taugt.” Auch falsch! Damit halsen sich Unternehmer regelmäßig überflüssige Kosten auf – der schlechte Mitarbeiter blockiert einen Arbeitsplatz, auf den eigentlich ein guter gehört. Zudem erleidet der Unternehmer Ausfall, wenn in der Probezeit wegen Schlechtleistung eine Neueinstellung nötig wird.
  • Der Plan “Den neuen Mitarbeiter basteln wir uns zurecht”. Auch ein Schiffbruch-Kandidat. Wird meist nichts. Warum? Schwächen bleiben Schwächen, auch wenn Sie 40 Weiterbildungstage als Therapie verordnen.

Im Grunde läuft es auf zweierlei hinaus. HR muss sorgfältiger suchen und auswählen. Seitens der Geschäfsführung sollten die entsprechenden Ressourcen für ein besseres (intensiveres, länger dauerndes, von vielen Seiten prüfendes) Rekrutierungsverfahren bereitgestellt werden.

Dieses Thema ist ein Schlüsselfaktor für den künftigen Unternehmenserfolg. Hinweis für die Leser der gedruckten Trendletter-Ausgabe: Auf den Seiten 4 und 5 der Mai-Ausgabe finden Sie einen Siebenstufenplan.

Unternehmer, die diesen umsetzen, erhöhen den Anteil der A-Mitarbeiter unter ihren Neueinstellungen dramatisch. Die Anwendung ist einfach, sollte aber konsequent erfolgen, wenn Sie wirklich gute Ergebnisse haben wollen.

Für das Überleben im Hyperwettbewerb halte ich das Vermeiden der Personalfalle für unumgänglich. Weitere Hinweise zur praktischen Umsetzung werde ich am Dienstag kommender Woche an dieser Stelle geben.


Tags:

Eine Antwort hinterlassen

Security Code: